Loslassen, was nicht mehr trägt.
Das bewusste Beenden von Dingen, die nicht mehr tragen – Prozesse, Produkte, Strukturen, manchmal auch Überzeugungen. Oder andersrum: bewusst entscheiden, was bleiben darf.
Warum ist Exnovation relevant?
Seit Jahren gehört die Bühne der Innovation. Wie wir Neues ins Bestehende integrieren, ist gut erforscht. Deutlich unbekannter ist, wie wir Bestehendes wieder verabschieden – sei es, weil es nicht mehr funktioniert, zu viele Ressourcen bindet oder nicht mehr zur Strategie passt.
Gute Innovationen setzen sich nicht von allein durch. Was sich nicht durchsetzt, muss keine schlechte Idee sein. Oft fehlt einfach der Platz.
Damit Neues ankommen kann, muss Altes gezielt gehen – Ressourcen freigeben, Bestehendes ausphasen. Das passiert nicht von selbst. Es braucht einen Diskurs: Was darf bleiben? Was soll gehen?
Wie erkenne ich, was exnoviert werden sollte?
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Würden wir das heute nochmal so anfangen?
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Welche Ressourcen bindet das – und was könnten wir stattdessen damit tun?
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Wer verteidigt es noch – und warum?
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Was würde passieren, wenn wir morgen damit aufhören?
Der volle Kleiderschrank
Exnovation lässt sich am Beispiel eines vollen Kleiderschranks gut veranschaulichen. Alle Kleidungsstücke sind mit gutem Grund da. Aber irgendwann ist selbst der größte Schrank voll. Dann heißt es ausmisten.
Das fällt uns schwer – aus genau den gleichen Gründen, warum Unternehmen Exnovation schwerfällt:
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„Das war mal teuer."
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„Das brauchen wir bestimmt noch mal."
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„Wenn ich das nochmal beschaffen müsste, ich wüsste nicht woher – lieber behalten!"
Es braucht Mut, Entscheidungskraft und das Aushalten von Abschiedsgefühlen, um wieder Platz zu machen – damit die Zukunft einziehen kann.
Mein Zugang
Für Consumer-Produkte ist der Ablauf gut erforscht: Einführung, Reife, Auslistung. Aber was ist mit Prozessen, Arbeitsabläufen, Ritualen, Strategien? Die können genauso „überholt“ sein – werden aber selten hinterfragt.
Für mich ist das das fehlende Puzzleteil: Wie Exnovation und Innovation zusammenspielen müssen, um Transformation zu ermöglichen.
Gemeinsam mit Sandra Bils habe ich das Buch „Exnovation und Innovation“ geschrieben. Es zeigt, wie man den richtigen Zeitpunkt erkennt, den Diskurs führt und Exnovation tatsächlich umsetzt – in Unternehmen, aber auch in Non-Profit-Organisationen und Verwaltungen.
Kommt Ihnen noch etwas in den Sinn?
Und Ambidextrie?
Exnovation und Ambidextrie hängen zusammen – wer ständig Neues hinzufügt, ohne Altes loszulassen, überfrachtet die Organisation. Erst wenn beides zusammengedacht wird – das Neue entwickeln und das Alte verabschieden – entsteht echte Beweglichkeit.